KSTA-INTERVIEW: Safer-Shopping: Das Interview

Stadtanzeiger 2.0

Vorsicht bei Vorkasse

Frage: Herr Bauer, Sie befassen sich seit 15 Jahren beruflich mit dem Thema „Online-Shops“. Wie erkenne ich den Unterschied zwischen einer seriösen und einer Betrüger-Seite?

Antwort: Auf den ersten Blick häufig gar nicht. Das ist ja das Problem. Die Seiten sehen oft professionell aus. Und auch die Domain hat nicht selten den Namen eines großen Markenherstellers, lediglich ergänzt durch einen Zusatz, etwa „-deutschland“. Dass sie Opfer eines Fake-Shops geworden sind, merken die Kunden meist erst im Nachhinein – wenn die Ware, die sie bestellt und bezahlt haben, nicht ankommt.

Frage: Gibt es keine Warnzeichen?

Antwort: Doch. Ein erster Anhaltspunkt ist der Preis. Liegt der deutlich unter dem marktüblichen, sollte man vorsichtig sein. Außerdem hilft meist ein Blick ins Impressum. Das sollte neben Namen und Anschrift des Anbieters, Informationen zur Kontaktaufnahme haben, beispielsweise Telefonnummer oder E-Mail. Wichtig ist auch der Sitz des Unternehmens. Ist der im Ausland bedeutet das zwar nicht zwingend, dass man vorsichtig sein sollte. Doch sitzt der Händler in der EU, gelten für die Kunden auch die entsprechenden Verbraucherrechte, wie beispielsweise das Widerrufsrecht. 

 

Frage: Gibt es auch ganz sichere Anzeichen, dass es sich um eine Betrüger-Seite handelt?

Antwort: Stutzig werden sollten Kunden immer dann, wenn der Händler lediglich Vorkasse oder Western-Union als Zahlungsmöglichkeit anbietet. Für eine seriöse Seite hingegen spricht ein Zahlungsmethoden-Mix aus Rechnungskauf, PayPal, Lastschrift, Sofortüberweisung, Vorkasse und Nachnahme.

Frage: Gibt es weitere Dinge, an denen ich einen seriösen Shop erkenne?

Antwort: Ein guter Hinweis sind Gütesiegel, wie etwa von Trusted Shops, EHI oder TÜV Süd. Ganz wichtig dabei ist, dass man das Logo mit dem entsprechenden Siegel auch anklicken kann – und es sich dabei nicht lediglich um ein Bild handelt. Denn ist die Seite tatsächlich mit dem Siegel ausgezeichnet, gelangt man immer durch Klick auf das Logo zum entsprechenden Zertifikat. Das Bild aus dem Netz herunterladen und auf die Seite stellen kann schließlich jeder.

Frage: Was ist, wenn ich über Amazon oder E-Bay an einen Fake-Shop gerate?

Antwort: Betrüger bieten auch über diese Plattformen immer wieder Ware an. Ein Indiz dafür, dass es sich um einen unseriösen Verkäufer handelt ist, wenn dieser die Produkte am Ende nicht über die Plattform selbst verkaufen möchte. Er gibt vor, die Gebühren umgehen zu wollen – und gibt dann Kontodetails per Telefon oder E-Mail weiter. Darauf sollte man niemals eingehen, da man dadurch die Gewährleistung und Sicherheit der Plattform verliert. Und im Falle eines Betruges auf den Kosten sitzenbleibt.

Frage: Wenn ich auf einen Fake-Shop reingefallen bin, kann ich dann nicht rechtlich gegen den Betreiber vorgehen?

Antwort: Das ist leider sehr schwierig. Es handelt sich dabei meist um ausländische Briefkasten-Firmen. Den Betreiber der Seite herauszufinden ist fast unmöglich. Das Geld landet auch meist auf Konten im Ausland.

Frage: Lässt sich in solchen Fällen nicht der Konto-Inhaber ermitteln?

Antwort: Auch das ist kaum möglich. Die Kriminellen sind da leider sehr kreativ. Sie verwenden etwa bei Erstellung des Kontos gefälschte Personaldaten. Ein Online-Konto anzulegen ist nicht überall so reglementiert wie in Deutschland. Oder sie verwenden gehackte Online-Banking-Konten, um die Geldströme zu schleusen. Die Kontoinhaber selbst bekommen davon meist gar nichts mit. Im Darknet etwa können Kontozugangsdaten gekauft werden.

Frage: Kann ich das Geld nicht zurückbuchen?

Antwort: Das Problem bei den Fake-Shops ist, dass die Kunden immer per Vorkasse bezahlen müssen. Und die Kunden schöpfen ja meist erst dann Verdacht, wenn sie die Ware nach einigen Tagen nicht erhalten. Und dann ist das entsprechende Konto längst leergeräumt. Auch die Bank haftet in solchen Fällen nicht. 

Frage: Werden die Lieferbedingungen und fristen klar kommuniziert?

Antwort: Auch wenig transparente Lieferbedingungen können ein Indikator für „Fake-Onlineshops“ sein. Kosten und Dauer müssen für den Kunden klar während des Bestellvorgangs erkennbar sein.

Frage: Was kann ich also tun?

Antwort: Die einzige Möglichkeit ist eigentlich, erst gar nicht auf einen Fake-Shop reinzufallen. Sie sollten daher vor jedem Kauf immer auf den Gesamteindruck der Seite achten, indem Sie die wichtigen Kriterien wie Preis, Impressum, Sitz des Händlers und die angebotenen Zahlungsmöglichkeiten überprüfen. Und die goldene Regel beachten: Im Zweifel niemals Ware per Vorkasse bezahlen.